KI-Nutzung in Journalismus und Corporate Publishing (ohne Textgenerierung)

Längst lassen Redaktionen, aber auch Politiker [externer Link, €€] Texte mit Künstlicher Intelligenz (KI) schreiben. „Selbstverständlich nutzen wir bei unserer Arbeit auch moderne digitale Werkzeuge, darunter KI-Anwendungen. Der Beitrag wurde eigenständig erstellt und im Redaktionsprozess mehrfach bearbeitet“, zitiert die FAZ die Staatskanzlei von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt. Der hatte den Einsatz beim Verfassen eines Artikels als „zukunftsweisend” verteidigt.

Warum KI-generierte Texte ein Authentizitätsproblem schaffen

Wo also liegt das Problem, wenn ohnehin jeder ChatGPT, Claude oder Gemini nutzt, um seine Mails, Newsletter oder Behördenbriefe generieren zu lassen? Wenn man sich mit seinem Namen – hier die Ministerpräsidenten – in einem Gastbeitrag persönlich an die Leserinnen und Leser wendet, dann erwarten diese eine authentische Stimme.

KI-Hygiene: Mindeststandards für den Umgang mit Sprachmodellen

Die Regel sollte sein: Wenn man sich den Text von einem Sprachmodell (LLM) ghostwriten lässt, dann kennzeichnet man, dass der Text von KI geschrieben wurde und schaut nicht nur oberflächlich oder gar nicht darüber. Er/sie sollte den Text immer maximal bearbeiten, Satz-Wolken auflösen (woraufhin oft nicht mehr als heiße Luft übrig bleibt) und vor allem aufmerksam lesen, ob das, was da geschrieben steht, sinnvoll ist oder nur so klingt. Und die Fakten stimmen. Das ist das Minimum an KI-Hygiene.

Natürlich nutzen Journalisten KI für ihre Arbeit. Die Nachrichtenagentur Reuters behandelte das Thema 2025 ausführlich. Es geht nicht darum, sich einen schlanken Fuß zu machen, sondern um die eigene Recherche zu erweitern, Themen zu finden, große Datenmengen zu analysieren. Es geht gerade nicht darum, sich die Texte formulieren zu lassen.

Wie Leser KI-Texte erkennen und warum Google diese Texte abstraft

Nicht nur Profis können KI-Texte „riechen”. Hier kannst auch du mit dem KI-Detektor von Phrasly AI testen, ob ein Text von KI geschrieben wurde. Warum es wichtig ist, das zu erkennen? Unter anderem, weil Google AI generated Content bei der Suche mittlerweile abstraft.

Sinnvolle KI-Anwendungen für Journalisten und Corporate Publisher. Die Basics

Recherche und Themenfindung mit KI als Sparringspartner: Also zum Brainstorming. Der KI-Chatbot ist dein Sparringspartner, dem du Stichworte, unsortierte Gedanken, grobe Ideen fütterst. Schon kann ein Ping-Pong starten. Du kannst absurd anmutende Fragen stellen oder dir ein Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln darstellen lassen. Du kannst deine Thesen aber auch challengen lassen. (Buchtipp: „Recherche mit KI”, 2025)

Komplexe Themen strukturieren mit KI-Unterstützung: Lass dir eine Zusammenfassung von bestimmten Studienlagen geben. So kommst du möglicherweise auf Exptertinnen und Experten für Interviews oder findest einen Aspekt, an den du zunächst nicht gedacht hast. Wenn du so viel Informationen gesammelt hast, dass du den Überblick verlierst, kann dir KI helfen, das Material zu sortieren. Du legst dabei die Schwerpunkte fest. Du kannst auch gezielt nach wiederkehrenden Mustern suchen lassen. In der Investigativrecherche führen so ungewöhnliche Zusammenhänge oft einer neue Spur.

Faktencheck mit KI hat seine Grenzen: Dazu habe ich selbst keine Erfahrung, deshalb kann ich nicht beantworten, ob sich Faktencheck wirklich weitgehend automatisieren lässt. Wenn ich aber z. B. die Arbeit der Fakten-Checker von #Faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks (BR) beobachte, scheint mir da sehr viel klassische journalistische Arbeit drinzustecken. Der Faktenfuchs hat eine Liste der Tools, die dort genutzt werden, transparent ins Netz gestellt.

Sprache präzisieren ohne Texterstellung durch KI: KI soll keinen Text schreiben! Aber du kannst (übrigens auch mit der klassischen Suche) Synonyme finden, Formulierungen präzisieren oder eine komplexe Idee verständlicher formulieren lassen, wie das die Wolf-Schneider-KI von Reporterfabrik macht. Du entscheidest, wie du den Gedanken dann in deinen Text übernimmst. Der Grammatik- und Rechtschreibe-Check sollte Standard sein.

Transkription und Übersetzung: Zeitersparnis, aber nicht ohne Datenschutz: Interviews abzutippen ist ein echter Zeitfresser, hier bringen Tools sehr viel. Die Pflicht erledigen also Transkriptionsprogramme, das Interview in die redaktionelle Form zu bringen, ist dann die Kür. Gleiches gilt für Übersetzungen oder die Zusammenfassung von Meetings. Wichtig: Achtet bei den Tools auf das Kleingedruckte. Nicht jeder möchte, dass seine Zitate und seine Stimme ungeschützt in einer Cloud landet.

Die größten Risiken beim KI-Einsatz im Journalismus

Halluzinationen und Fehlinformationen: Die Halluzinationen von LLM kann man mittlerweile durch das Prompting besser eingrenzen. Aber du musst eigentlich immer damit rechnen, dass die KI dir eine plausibel klingende, aber faktisch falsche Information vorlegt. Besonders  Zitate, Quellenangaben und Studien solltest du deshalb immer bis zum Original nachverfolgen. Bei den Informationen, die eine KI generiert, müssen die Quellen immer vorhanden und auch geprüft werden. Sind sie das nicht, lass die Finger davon. Das gilt auch für Datensätze, die als Basis für eine These oder Studien dienen sollen. Dass Studien erfunden und ganze Buchkataloge hallunziniert wurden, ist alles schon vorgekommen

Veraltete Trainingsdaten, Bias: KI-Modelle haben einen Stichtag, zu dem sie trainiert wurden. Deshalb kann der Papst bei einer KI auch 2026 noch Franziskus heißen. Das kannst du beeinflussen, indem du den Suchzeitraum eng festlegst und Websuche aktivierst.

Beim Bias handelt es sich um Verzerrungen aus den Trainingsdaten, die ständig reproduziert werden. Oder wie in China, wo das Tian’anmen-Massaker von 1989 in keiner LLM zu finden ist, weil es mit der Info über das historische Ereignis nicht trainiert wurde. Also: Immer auch den Kopf einschalten.

Kurz und knapp

Verantwortungsvolle KI-Nutzung im Journalismus: Best Practices 2026

Journalisten und Corporate Publisher setzen KI-Tools zunehmend ein – jedoch nicht zur Textgenerierung, sondern für:

  • Recherche und Themenfindung: KI-Chatbots dienen als Sparringspartner für Brainstorming und Perspektivenwechsel.

  • Datenanalyse: Große Informationsmengen strukturieren und Muster erkennen.

  • Faktencheck: Automatisierte Verifikation mit manueller Nachprüfung (z. B. BR24 Faktenfuchs).

  • Transkription: Zeitersparnis bei Interviews unter Beachtung des Datenschutzes.

  • Sprachoptimierung: Präzisierung von Formulierungen ohne vollständige Texterstellung.

Grundregel: Texte, die von Sprachmodellen (LLMs) geschrieben werden, müssen als KI-generiert gekennzeichnet werden. Google straft AI-generated Content im Ranking ab. KI-Texte sind für Leser und Detektoren erkennbar.

Hauptrisiken: Halluzinationen (erfundene Zitate, Studien), veraltete Trainingsdaten und systematischer Bias erfordern kritische Prüfung aller KI-Ausgaben.