Gartner-Prognose widerlegt: Warum Google 2026 nicht 25 % Traffic verliert
Am Anfang stand eine Prognose: Gartner Predicts Search Engine Volume Will Drop 25% by 2026, Due to AI Chatbots and Other Virtual Agents. Google verliert 25 Prozent Traffic, diese Aussage stammt aus dem Februar 2024 (!) und seither geistert diese Zahl durch Artikel, aber auch Fortbildungen zu KI, Marketing, GEO und SEO. Das mag an Faulheit liegen oder ganz banal daran, dass die Zahl so catchy ist. Dabei ist mittlerweile Konsens, dass sich Gartner-Prognose zu „25 Prozent weniger Search Traffic 2026″ nicht halten lässt. Aktuelle Daten zeigen: Google bleibt die dominierende Traffic-Quelle mit über 90 Prozent Anteil am organischen Traffic. Was bedeutet das für deine Content-Strategie?
Google wird nicht ersetzt, sondern ergänzt
„Der Suchmarkt [hat sich] noch lange nicht umverteilt”, schreibt Moccu in ihrem Report 2026. Die Berliner Digitalagentur für Content-Strategie und UI-Design hat in ihrem Report die Daten von über 50 Kunden analysiert und die Traffic-Entwicklung von KI-Plattformen und Google von Q2 2024 bis zum Q4 2025 verglichen. Der Moccu-Analyse nach bleibt Google prozentual die mit Abstand wichtigste Traffic-Quelle mit konstant über 90 Prozent Anteil am Organic Traffic, der auf die Kundenseiten führt. Für die Debatte „ChatGPT vs. Google” bedeutet das: Während KI-Plattformen wachsen, dominiert Google weiterhin.
Die österreichische SEO Agentur Seokratie hat 69 deutschsprachige Webseiten über einen Zeitraum von drei Jahren analysiert (April-Daten von 2024, 2025 und 2026). Das Ergebnis: Der Gesamttraffic bleibt konstant, aber Google verliert an Reichweite. Auch die SEO-Experten sehen rasante Zuwächste beim Traffic aus KI-Systen – allerdings auf niedrigem Niveau. Sie schreiben: „Die Studie zeigt vor allem eine Veränderung im Nutzerverhalten. Menschen suchen weiterhin online nach Informationen, Produkten und Anbietern. Allerdings beginnt die Recherche immer häufiger in KI-Systemen statt ausschließlich bei Google.” Seokratie geht davon aus, dass die Präsenz in KI-Antworten zunehmend an Bedeutung gewinnen und Generative Engine Optimization (GEO) zur sinnvollen Erweiterung klassischer SEO-Maßnahmen wird.
Analyse über 6 Quartale: KI-Suche bei nur 1,4 Prozent
Es zeigt sich auch, dass in dem beobachteten Zeitraum der Anteil der KI-Suchen, die auf die Kundenseiten führte, bei nur 1,4 % lag. „Unsere Daten aus inzwischen sechs Quartalen belegen, dass das Traffic-Potenzial von GenAI stetig zunimmt – angeführt von ChatGPT. Dennoch bleibt Google die wichtigste Quelle für organischen Traffic.” SEO bleibt also die Basis, um auch mit Generative Engine Optimization (GEO) zusätzlich zu punkten.
KI-Suche wächst – aber langsamer als prognostiziert
Nun kann man anführen, dass oben aufgeführte Analyseergebnisse von SEO-Unternehmen erstellt wurden, die ein Interesse daran haben, dass weiter in SEO investiert wird. Aber auch andere aktuelle Auswertungen zeigen einen langsamen Anstieg der Suche über auf Large Language Models (LLM) basierende Chatbots wie ChatGPT.
So hat DataReportal ein stark wachsendes KI-Nutzungsverhalten registriert, wobei die Suche über klassische Suchmaschinen klar dominiert. Die Plattform erstellt regelmäßig Analysen zu globalen Internet-, Social-Media-, Mobil- und E-Commerce-Statistiken. Unter den gut vier Milliarden KI-Nutzerinnen und Nutzern weltweit verwenden 60 Prozent (2,42 Mrd.) GenAI-Plattformen wie ChatGPT, Gemini oder die chinesische AI-Variante Doubao und das auch bei uns bekannte LLM DeepSeek.
Der Mid Year Report 2026 von DataReportal zeigt, dass 58,8 Prozent der User die Sprachmodelle nutzen, „to find information”, gefolgt von 37,8 Prozent, die angaben, sie suchten „advice on problems”. Der Report hat sich auch angesehen, wie sich das Suchverhalten verändert. Auch hier liegen klassische Suchmaschinen vorne: „Data shows that search engines remain the primary source of brand awareness amongst the world’s online adults, with 32.4 percent of global internet users aged 16+ telling GWI that they discover new brands, products and services via platforms like Google and DuckDuckGo.” Aber auch knapp 15 Prozent der weltweit Befragten gaben an, dass sie Marken über KI-Tools entdeckt haben.
ChatGPT wächst, Google bleibt dominant: Die 80/20-Regel für dein Budget
Die GPT-Apps verbreiten sich immer mehr, aber Google hat noch immer 2,8 mal mehr User als ChatGPT. Die Frage „ChatGPT vs. Google” ist für Marketingbudgets 2026 zentral. „In other words, when it comes to budgeting, don’t think in terms of “search vs AI”. […] Based on that prioritised list, aim to invest at least 80 percent of your budget in what you already know works. Only then should you consider whether you’d like to use your remaining 20 percent for experiments, or whether you’d prefer to invest that remainder in tried-and-tested channels as well”, lautet ein Resumee von DataReportal. Wer also weiß, was funktioniert, sollte auch weiter damit arbeiten, aber einen Teil des Budgets künftig auch in andere Kanäle investieren.
SEO als Fundament, GEO als Ergänzung: Die richtige Strategie für 2026
Die Entwicklung spricht dafür, dass Unternehmen weiter auf ihr starkes SEO setzen sollten, aber neben der klassischen, bewährten Suche, die ihnen Traffic und im Idealfall Leads bringt, Generative Engine Optimization (GEO) verstärkt berücksichtigen sollte. Die Nutzung von GPTs wächst zwar stark, Google hat aber weiterhin enorme Reichweite. Gleichzeitig ist nicht belegt, dass LLM-Referrals grundsätzlich besser konvertieren als Google-Traffic. Wer seine KI-Sichtbarkeit systematisch aufbaut, sichert sich jedoch Reichweite in beiden Welten.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Setze auf Inhalte mit nachweisbarer Expertise. Google und KI-Systeme bewerten Texte nach E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trust). Konkret bedeutet das: KI-generierter Content muss nicht automatisch ein Qualitätsproblem haben, ist aber auch nicht automatisch gut. Google bewertet Inhalte nicht nach ihrer Herkunft allein, sondern nach ihrer Nützlichkeit, Originalität und danach, wie vertrauenswürdig der Text ist. Genau darauf verweisen auch die von Gartner zitierten Qualitätskriterien wie Expertise, Erfahrung, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Wer Texte nur automatisiert produziert, spart nur kurzfristig und produziert langfristig Austauschbarkeit.
Content-Strategie muss breiter werden. Wer sichtbar bleiben will, braucht Inhalte, die sowohl für klassische Suchmaschinen als auch für KI-Systeme verständlich und zitierfähig sind. Generative Engine Optimization (GEO) bedeutet konkret: klare Aussagen, echte Expertise, überprüfbare Quellen und Inhalte, die konkrete Fragen besser beantworten als generische KI-Texte. Gleichzeitig muss die KI-Sichtbarkeit durch strukturierte Daten, FAQ-Formate und zitierfähige Absätze gestärkt werden.
Für die Praxis heißt das konkret
Die Gartner-Prognose hat sich nicht bewahrheitet, aber die Richtung stimmt. KI-Suche wächst, wenn auch langsamer als erwartet. Unternehmen, die jetzt sowohl in SEO als auch in GEO investieren, sichern sich Sichtbarkeit in beiden Welten. Wer wartet, bis die Konkurrenz in KI-Antworten zitiert wird, hat bereits verloren.
– Schreib so, dass du konkrete Fragen beantwortest;
– sei originell, bring Beispiele und ändere die Perspektiven;
– bau Autorität auf, indem du deine Aussagen belegst und klare Positionen beziehst;
– optimier nicht nur für Google, sondern auch dafür, dass deine Inhalte in KI-Antworten genannt werden.