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KI führt oft in die Irre. Aber macht sie auch dumm?
Künstliche Intelligenz verändert, wie wir lernen und arbeiten. Dabei zeigen Studien: Wer KI als Abkürzung statt als Werkzeug nutzt, riskiert den Verlust kognitiver Fähigkeiten – ein Phänomen, das Experten „Skill Skipping” nennen.
Norwegen reagiert darauf und verbietet KI-Werkzeuge in Schulen bis zur siebten Klasse. Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren sollen unter Anleitung der Lehrerinnen und Lehrer an ChatGPT, Claude und Gemini herangeführt werden. Erst in der Oberschule (17-19 Jahre) sollen sie KI selbst verwenden dürfen, damit sie im Studium oder im Beruf damit umgehen können.
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– 74% der 12- bis 19-Jährigen nutzen KI für Hausaufgaben (JIM-Studie 2025) |
Warum Norwegen KI in Schulen einschränkt
Premierminister Jonas Gahr Støre argumentiert, dass die Kinder durch die Nutzung von KI wichtige Schritte in ihrer Ausbildung verpassen. Die JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest zeigt, dass Schülerinnen und Schüler KI vor allem im Zusammenhang mit Hausaufgaben nutzen (74 % der 12- bis 19-Jährigen), 70 Prozent suchen damit Informationen: Hinter klassischen Suchmaschinen wird ChatGPT am zweithäufigsten als Recherche- und Informationstool verwendet.
Skill Skipping: Wenn KI das Denken übernimmt
Lehrer warnen mittlerweile vor Skill Skipping. „KI kann eine Bereicherung für den Lernprozess sein, zum Beispiel um Texte zusammenzufassen, Verbesserungsvorschläge zu erhalten oder Argumente zu strukturieren. Aber was passiert, wenn die Technologie nicht zur Unterstützung des Lernens eingesetzt wird, sondern als Abkürzung?”, schreibt der Lehrer Florian Nuxoll auf dem GEW-Portal. Er plädiert dafür, den Lernprozess, also den Weg, wie Schüler zum Ergebnis kommen, wieder zu stärken.
Auch Erwachsene schwächen kognitive Fähigkeiten durch KI
Nicht nur Kinder und Jugendliche sparen sich mit KI manchen Gedankengang. Auch Erwachsene schwächen damit womöglich ihre geistigen Fähigkeiten, wie eine MIT–Studie zeigt. Wer Texte von LLM verfassen lässt und Probleme komplett der KI überlässt, statt sie nur als Hilfe zu nutzen, vernetzt sein Gehirn schlechter, erinnert sich weniger und fühlt sich kaum noch als Urheber. Teilnehmer, die ihre Aufgaben selbst lösten, schnitten in allen Bereichen besser ab. Die Studienautoren betonen, dass Worte wie „dumm“ in diesem Zusammenhang nicht passen.
Studie belegt: KI-Nutzung reduziert Problemlösungskompetenz
Die Studie „AI Assistance Reduces Persistence and Hurts Independent Performance” der Universitäten Oxford, MIT, UCLA, Carnegie Mellon von 2026 zeigt, dass KI die unmittelbare Leistung verbessert. Das kommt aber zu einem Preis, schreiben die Autorinnen und Autoren: „After just ∼10 minutes of AI-assisted problem-solving, people who lost access to the AI performed worse and gave up more frequently than those who never used it.”
Verantwortung übernehmen, ohne zu verstehen?
Das Paper „Auswirkungen von KI auf die Nutzer: Erhalten und Fördern der menschlichen Intelligenz bei zunehmendem Einsatz künstlicher Intelligenz – Wozu? Wie?” der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) aus dem Jahr 2025 beschreibt ein zentrales Problem: KI unterstützt den Menschen bei der Lösungsfindung oder übernimmt sie sogar vollständig. Dennoch bleibt die Verantwortung für die Lösung und deren Kontrolle beim Menschen.
Doch um eine Lösung wirklich kontrollieren zu können, muss der Mensch die Arbeitsschritte nachvollziehen können. „Kann er KI–Ergebnisse kontrollieren, ohne die Arbeitsschritte selbst auszuführen? Hat er möglicherweise wichtige Fähigkeiten verlernt (deskilling)? Wie überprüft und korrigiert man ein Ergebnis, dessen Entstehung man selbst nicht (mehr) versteht?“ Daher, so das Paper, müssen Menschen in der Lage sein, „langsames Denken“ anzuwenden. Die konkreten Tipps findet Ihr hier.
Übung macht den Meister – auch beim Formulieren
Wer LLM als eine Krücke nutzt, um sich die Mühen des eigenen Denkens zu sparen, riskiert, dass die Fähigkeit zum Argumentieren, Schreiben und kritischen Hinterfragen nachlässt. Besser ist es deshalb, GPTs als Sparringspartner für Recherche und neue Ideen oder zur Rechtschreibprüfung einzusetzen.
Die Frage ist also nicht „KI ja oder nein“, sondern welche Tätigkeiten ausgelagert werden, in welchem Alter, welche Fähigkeiten weiter angewandt werden und ob man Verantwortung für die Texte und Arbeiten übernimmt. Norwegen möchte erst die Basiskompetenzen beibringen und dann KI dazunehmen.
Fragen und Antworten
Macht KI Menschen dumm?
Künstliche Intelligenz macht nicht „dumm“. Wer sie jedoch nicht als Werkzeug nutzt, sondern damit eigenes Denken, Formulieren oder Analysieren ersetzt, schwächt seine geistigen Fähigkeiten wie Problemlösung und Erinnerungsvermögen.
Was ist Skill Skipping?
Skill Skipping bedeutet, dass Lernende durch KI wichtige Denkschritte überspringen und Ergebnisse direkt übernehmen. Wer Denk– und Lösungswege nicht nachvollzieht, lernt nicht nachhaltig. Skill Skipping führt zum Kompetenzverlust (Deskilling), wenn Menschen Fähigkeiten einbüßen, geistig von KI abhängig werden und oberflächliche Ergebnisse produzieren.
Wie sollte man KI richtig nutzen?
KI eignet sich als Sparringspartner für Recherche, Ideenfindung und Rechtschreibprüfung. LLMs dürfen aber das eigene Denken und Formulieren nicht ersetzen.
Anke Kotte ist Journalistin und Expertin für Unternehmenskommunikation. Sie analysiert die Auswirkungen von KI auf Content-Erstellung und berät Unternehmen zu wirksamer Kommunikation. Mehr hier